Weiß nicht mehr weiter

  • Hallo zusammen,


    Ich bin neu hier und mittlerweile sehr verzweifelt. Die Diagnose Hashimoto habe ich im Jahr 2010 erhalten. Seitdem geht es mir phasenweise immer schlechter. Seit Anfang September habe ich starke Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und richtige Gedächtnisaussetzer. Die letzten Werte wurden letztes Jahr im November von meinem Nuk genommen. Ich habe einen 9 mm großen Knoten in der Schilddrüse und die Werte liegen in der Norm
    Ft3 4,2 (3,2-7,2 normal)
    Ft4 12,9 (10-26 normal)
    Tsh-basal (0,3-3,0 normal)
    Tak 50 (<200 normal)
    Mak 939 (<100 normal)


    Ich habe im Sommer meinen Hausarzt gewechselt in der Hoffnung das einer neuer Arzt mir hilft. Jetzt nehme ich seit Anfang Juli Selen damit die Antikörper runter gehen.
    Am 30.9.13 sind nun von dem Arzt genau 2 Blutwerte genommen worden, die wie folgt aussehen:
    Tsh-basal 1,47 (0,27-4,2 normal)
    Anti-tpo 245 (<34,0 normal)


    Jetzt zu meiner Frage, alle Werte liegen in der Norm und bis jetzt bekomme ich außer selen keine Medikamente. Mir geht es aber ziemlich schlecht.
    Nicht jeder Tag ist gleich und immer kommt etwas neues hinzu, wie z.B. entzündete Gesichtshaut.
    Am schlimmsten ist diese alsolute Erschöpfung gegen die ich mich kaum ankommen kann.
    Jetzt habe ich Montag einen Termin zum besprechen dieser beiden Werte und bin wieder einmal darauf eingestellt, dass der Arzt mir sagt der Tsh Wert ist doch Super und die Antikörper sind auch runter gegangen. Ich frage mich nur woher ich dann die Beschwerde habe? Ich komm mir vor wie ein Simulant und bin schon an mir am zweifeln ob ich vielleicht falsch lebe und mich falsch ernähre.


    Ich würde mich sehr über ein paar Meinungen freuen.


    Josi

  • Hi Josi,


    also, bei den ersten Werten sind die freien Werte zwar in der Norm, aber dafür sehr niedrig, was für eine UF spricht.
    Allerdings fehlt da der TSH......vermutlich hast du vergessen diesen reinzuschreiben.


    Bei den zweiten Werten ist der TSH nicht ganz so dramatisch, dafür fehlen die freien Werte.
    Um dir helfen zu können muss man schon alle drei Werte in Kombination betrachten.


    Ohne diese Infos wird es schwierig. Aber meiner Meinung nach brauchst du Thyroxin....mit Selen alleine kommt man nicht weiter.


    Ich denke der erste Schritt sollte die Suche nach einem halbwegs vernünftigen Arzt sein.
    Aus welchem PLZ-Bereich kommst du denn ?


    LG
    SPencer

  • Hallo Josi,


    das Problem ist: Die positiven Antikörperwerte beweisen eine Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung. Selen kann lt. einen Studien den Verlauf dieser Autoimmunerkrankung günstig beeinflussen, sie jedoch NICHT heilen. Das bedeutet, dass dein Immunsystem deine Schilddrüse weiterhin angreifen wird. Du wirst also Jahr für Jahr immer mehr Schilddrüsengewebe verlieren, wodurch die Produktionsleistung deiner Schilddrüse immer weiter sinken wird. Selen ist daher kein Ersatz für eine Hormontherapie, sondern eine begleitende Maßnahme, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.


    Die Aussagekraft des TSH-Werts ist mit Vorsicht zu genießen. Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen verlaufen nicht geradlinig, sondern schubweise. Das bedeutet, dein Immunsystem greift phasenweise deine Schilddrüse verstärkt an, wodurch massenhaft Gewebe kaputt geht. Die im kaputtgegangenen Gewebe gespeicherten Schilddrüsenhormone werden dadurch schlagartig ins Blut freigesetzt; du bekommst eine Schilddrüsenüberfunktion.
    Anschließend, wenn das Immunsystem sich nach Tagen bis Wochen wieder etwas beruhigt hat, wird der Angriff wieder schwächer. Die überschüssigen Schilddrüsenhormone bleiben dann noch einige Wochen im Blut, bis der Körper sie abgebaut hat. In dieser Phase bist du euthyreot, d.h. deine Schilddrüsenwerte sind normal.
    Da beim Angriff allerdings Schilddrüsengewebe verloren gegangen ist, fehlt dir dieses Gewebe anschließend. Deine Schilddrüse kann nun weniger Hormone produzieren als vorher. Dein Körper wird deshalb schlechter versorgt; du bekommst eine Schilddrüsenunterfunktion.


    Schilddrüsenüberfunktion, Euthyreose und Schilddrüsenunterfunktion wechseln sich also phasenweise ab. In einem nicht vorhersehbaren Zeitraum (Stress begünstigt aber übrigens diese sogenannten "Schübe").


    Aus diesem Grund kann es passieren, dass man bei einem Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis einen normalen TSH-Wert misst. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Patient auf Dauer keine Hormontherapie benötigt! Es zeigt nur, dass der Patient zum Zeitpunkt der Messung euthyreot war. In 4 Wochen kann das alles schon wieder ganz anders aussehen. Mein eigener TSH-Wert schwankte sogar binnen weniger Tage zwischen 2,17 µU/mL und 3,03 µU/mL. Auch das ist möglich.


    Der positive MAK-Wert (mikrosomale Antikörper) beweist wie gesagt eine Autoimmunthyreoiditis bei dir. Die Diagnose Hashimoto hast du ja bereits. Es ist absehbar, dass du eine Hormontherapie brauchen wirst, denn Selen kann die Krankheit nicht heilen und auch nicht stoppen, sondern nur verlangsamen. Wenn du aber bereits typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion hast, dann muss jetzt bereits behandelt werden - es macht dann keinen Sinn, länger zu warten!


    Leider muss man in Deutschland offensichtlich erst in eine Schilddrüsenunterfunktion rutschen, damit man mit Tabletten wieder euthyreot gemacht werden kann. :NIchtGanzDicht: Ich lese das tagtäglich in Hashimoto-Foren und leider ist das gängige Praxis. Der Patient muss also erst krank werden, bevor er behandelt wird; Prävention (im Sinne der Vermeidung einer Schilddrüsenunterfunktion) findet oft nicht statt. Diese Logik ist absurd, das würde ich dem Arzt auch direkt so ins Gesicht sagen.


    Dein Arzt sollte sich lieber freuen, dass Hashimoto bei dir rechtzeitig entdeckt wurde, so dass dir eine Schilddrüsenunterfunktion mit all ihren (potentiell gesundheitsschädlichen) Symptomen erspart bleibt! Die meisten Patienten haben nicht dieses Glück! Ein Einstieg mit 25µg L-Thyroxin ist daher meiner Meinung nach gerechtfertigt, da du bereits erste Symptome zeigst.


    Viele Grüße,
    Arsaneus

  • Hallo Spencer und Arsaneus,


    erst einmal herzlichen Dank für eure Anworten. Ihr bestätigt mir auf jeden Fall, dass ich nicht nur simmuliere und ich mir die Beschwerden nicht nur einbilde. Mein Arzt davor meinte, es liegt eine psychosomatische Störung vor und irgendwie fängt man dann auch an, an sich zu zweifeln.


    Der TSH Wert, den ich oben vergessen habe liegt bei 0,90. Meine Postleitzahl ist 45130. Bei den aktuellen Werten hat mein Arzt erst gar nicht die fT3 und fT4 Werte ermitteln lassen. Ich habe jetzt wirklich nur die Werte vom TSH und der Antikörper.
    Und wie die Ärzte so sind lassen Sie sich ja auch nicht gerne von Patienten darauf hinweisen, dass die freien Werte doch vielleicht wichtig sind und diese mit abgenommen werden sollten. Egal wie vorsichtig man fragt, ich habe leider noch nie etwas bei den Ärzten erreichen können.


    Die Überweisung zum Endo habe ich auch erbetteln müssen. Der Endo hat dann die Diagnose gestellt und mich wieder zu meinem Hausarzt geschickt, dass ist bereits mein dritter Wechsel. Selbst der Nuk hat gesagt ist doch alles Prima, die Werte liegen in der Norm.
    Es gibt Tage da geht es mir ganz gut und dann versuche ich auch so viel wie möglich in meinen Tagesablauf zu legen, da ich Angst habe am nächsten Tag vielleicht wieder nicht so zu funktionieren wie ich möchte.


    Muss eigentlich bei der ersten Gabe von L-Thyroxin auch die Werte der Leber und der Nebenniere genommen werden? Ich habe gelesen, dass die Werte wichtig sind, damit das L-Thyroxin auch richtig aufgenommen wird vom Körper.


    Vielen Dank auf jeden Fall für Eure Hilfe.


    Viele Grüße
    Josi

  • Hallo Josi,


    ja, man sollte auf jeden Fall die Nebennieren überprüfen, bevor man Schilddrüsenhormone verschreibt. Steht auch in jedem Beipackzettel für L-Thyroxin so drin. Gemacht wird es i.d.R. trotzdem nicht!


    Leberwerte zu überprüfen ist für den Arzt simpel und kostengünstig, und auch der Cortisolwert für die Nebenniere ist eine simple Untersuchung. Dir würde einfach eine Blutprobe abgenommen werden (bei Cortisol muss die Uhrzeit auf der Probe vermerkt werden, wird oft vergessen!), und die wird dann im Labor analysiert. Fertig. Aber was man einsparen und überspringen kann, wird eingespart und übersprungen.


    Ein zweimal euthyreoter TSH-Wert deutet zwar klassischerweise nicht auf eine Substitutionspflicht hin, aber trotzdem sollte bei gleichzeitig vorliegender Hashimoto-Thyreoiditis und beginnenden Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion mit einer Substitution von Schilddrüsenhormonen begonnen werden. Jedem fähigen Arzt wird einleuchten, dass das sinnvoll ist, zumal du über kurz oder lang sowieso substitutionspflichtig werden wirst.


    Beachte hierbei auch diesen (unter Ärzten wenig bekannten) Artikel aus der Ärztezeitung 2010: Hypothyreose: Manche Patienten brauchen außer T4 auch T3
    Klassischerweise wird mit L-Thyroxin 25µg begonnen, aber diese Studie zeigt, dass ca. jeder 6. Patient eine Kombination aus beiden Schilddrüsenhormonen benötigt, zum Beispiel L-Thyroxin + Thybon oder L-Thyroxin + Liotir. Das wird rein von der Genetik des Patienten festgelegt.


    Ich empfehle dir, dich auf Dauer nach einem Arzt aus Ben's Liste umzuschauen. Dort sind fähige Schilddrüsenärzte von Patienten zusammengetragen worden.


    Viele Grüße,
    Arsaneus

  • Hallo Arsaneus,


    vielen Dank für die Informationen. Ich hoffe bei meinem Arztbesuch morgen das ich mit meinen neuen Informationen Gehör finde und ich ernst genommen werde.


    Viele Grüße
    Josi

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