Arsaneus Tagebuch: fit & gesund mit Liotir

  • Hallo liebe Leserinnen und Leser!


    [center]- Herzlichen Dank an ktokuda, die mir (armer Student) das Liotir finanziell sponsort! Im Gegenzug dieses Tagebuch! :ThumbsUp: -[/center]


    Dieses Tagebuch soll euch einen Überblick über meine Therapie mit Schilddrüsenhormonen geben. Ihr werdet Einsicht bekommen in meine Dosierung und meine Präparate, aber ebenso in meine sportlichen Aktivitäten und in meine Ernährung, sowie in die Konzepte, die dahinter stehen. Das Tagebuch wird theoretische Ansätze ebenso beinhalten wie praktische.


    [hr][/hr]
    [center]Überblick[/center]
    Hierzu möchte ich euch zunächst zusammenfassen, was bisher geschehen ist. Anschließend werde ich euch erläutern, was mein neues Therapiekonzept ist, und wie es in der Praxis aussehen wird. In einem weiteren Beitrag werde ich dann darauf eingehen, wie ich trotz Hashimoto-Thyreoiditis natural Bodybuilding (d.h. Muskelaufbau ohne verbotene Substanzen) betreiben werde, um Muskelmasse aufzubauen und an Gewicht zuzunehmen - obwohl ich von Natur aus große Probleme habe, zuzunehmen, und zwar schon mein ganzes Leben lang. Hierbei werden selbstverständlich auch Themen wie Training und gesunde Ernährung abgedeckt werden.


    Das Gesamtkonzept meiner Therapiemethode zielt darauf ab, trotz Hashimoto-Thyreoiditis wieder ein Befinden zu erreichen, wie vor dem Ausbruch der Krankheit. Ich möchte mich wieder so fühlen wie mit einer gesunden Schilddrüse, und euch davon erzählen.


    Mein Tagebuch beinhaltet also die Themengebiete Schilddrüse, Training und Ernährung, und ich habe das Ziel, wieder ein völlig gesundes Befinden zu erreichen. Ein sehr wichtiger Schlüssel dazu ist meiner Meinung nach das Präparat Liotir, ein tropfengenau dosierbares T3-Präparat.


    Deshalb möchte ich meinem Tagebuch den (bewusst plakativ gewählten) Titel geben: "fit & gesund mit Liotir" :ThumbsUp:

  • Zusammenfassung meiner bisherigen Diagnose & Behandlung


    Die Ausgangssituation
    Ich bin ein Patient mit seropositiver Hashimoto-Thyreoiditis. Meine TPO-AK und TRAK sind negativ, einzig meine TG-AK sind positiv. Meine Schilddrüse ist ca. 15 mL groß, und stellt sich im Ultraschall völlig normal da (homogen, keine Knoten, echonormal bis leicht echoreich). Mein TSH basal lag bei Erstdiagnose schwankend bei 2,17 - 3,03 µU/mL und ich hatte damals schwere Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (12-15 Std. Schlaf pro Tag, starke Müdigkeit, kein Konzentrationsvermögen, extrem schlechtes Gedächtnis, heftiges Frieren, depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, diffuser Haarausfall etc. pp.). Kognitive Leistungen waren unterirdisch, mein Studium stand auf dem Spiel, ich bestand (trotz ansonsten stets guter Noten) diesmal mehrere Prüfungen nicht.


    Ebenso hatte ich einige schwere Mikronährstoffmängel unklarer Ursache. Insbesondere Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Zink, Biotin, Magnesium und Kupfer waren erniedrigt. Der Folsäuremangel war so schwerwiegend, dass der Wert nahe an der Nachweisbarkeitsgrenze des Labors lag. Dies verursachte weitere Symptome und war unerklärbar, da ich mich stets ausgewogen und gesund ernährt hatte.


    Schilddrüsenerkrankungen liegen bei beiden Eltern vor. Meine Mutter hat Hashimoto-Thyreoiditis, mein Vater eine unbekannte Schilddrüsenkrankheit, die medikamentös behandelt wird. (da ich Scheidungskind bin, weiß ich diesbezüglich nichts Genaueres)


    Der erste Behandlungsversuch: T4-Monotherapie (= nur L-Thyroxin)
    Behandlung erfolgte, nach mehrfachem Arztwechsel (ich wurde als gesund nach Hause geschickt), mit L-Thyroxin in steigender Dosis, 1x täglich morgens nüchtern, mit 30 min. Abstand zum Frühstück. Ebenfalls nahm ich in Eigeninitiative zeitlich begrenzt größere Dosierungen der fehlenden Mikronährstoffe ein. Unter dieser Behandlung besserten sich die Symptome, einige verschwanden komplett. Es blieb jedoch stets eine ausgeprägte Antriebslosigkeit, depressive Stimmung, Frieren und Müdigkeit. Sport bereitete mir Probleme, nach einem Besuch im Fitnesscenter spürte ich noch 1-2 Tage danach die Auswirkungen und war deutlich müder. Insgesamt verbesserte sich mein Zustand also, aber er normalisierte sich nicht. Enddosierung waren 100µg L-Thyroxin bei einem TSH basal von 0,4 µU/mL. Weitere Steigerungen waren aufgrund des TSH-Werts nicht möglich. Ich hatte also durchgängig von Unterfunktion bis zur (nahezu) Überfunktion gesteigert, ohne dass meine Symptome vollständig verschwunden wären.


    Der zweite Behandlungsversuch: T3/T4-Kombitherapie (= L-Thyroxin + Thybon)
    Nach einem erneuten Arztwechsel begann ich, wieder aus Eigeninitiative, mit einer Kombinationstherapie aus den Schilddrüsenhormonen T3 und T4. Präparate waren L-Thyroxin und Thybon. Hierbei nahm ich zunächst beides morgens nüchtern ein, mit 30 min. Abstand zum Frühstück. Binnen weniger Tage bemerkte ich durchschlagende Erfolge im Befinden: Meine Konzentrationsfähigkeit wurde besser, meine Stimmung optimistischer und meine Antriebslosigkeit verschwand, ebenso wie die Müdigkeit. Gleichzeitig besserten sich mein Gedächtnis und meine Wahrnehmung der Umgebung wurde "klarer". Zudem bemerkte ich etliche interessante Veränderungen meines Körpers, beispielsweise verringerte sich das Frieren deutlich, mein Haarwuchs (Bart-, Körper- und Kopfhaar) nahm zu, und eine jahrelange Stelle einer Alopecia areata am rechten Unterarm (die unter L-Thyroxin keine Veränderung gezeigt hatte), wuchs plötzlich zu. Durchschlagendste Verbesserungen waren aber wie gesagt kognitiver Natur, d.h. alle Symptome, die Denken und Wahrnehmung betrafen, verbesserten sich, und das Frieren wurde erstmals weniger. Auch stellte ich fest, dass meine nächtlichen Träume zunehmend zurückkehrten, obwohl ich drei Jahre lang (2009 - 2012; vermuteter Hashimoto-Ausbruch ca. 2008-2009) so gut wie traumlos gelebt hatte.


    Experimente, Literaturrecherche, Diskussionen
    In Folge experimentierte ich mit mehreren T3-Dosierungen, Einnahmezeitpunkten, Splitting und Präparaten, wobei mich mein neuer Arzt stets unterstützt hat und mir große Freiräume gab. Ich testete und verglich die Wirkung von Abendeinnahme und Morgeneinnahme, von Thybon und Prothyrid, von hohem T3:T4-Verhältnis und niedrigem T3:T4-Verhältnis meiner Tablettendosis; ich testete, wie 2x tägliche T3-Einnahme gegenüber 1x täglicher T3-Einnahme wirkte, probierte Krafttraining erneut aus (mit besseren Erfolgen als unter L-Thyroxin, aber immer noch mangelhafter Leistung), und was mir sonst alles erprobungswert erschien - selbstverständlich achtete ich dabei darauf, niemals in eine Hyper- oder Hypothyreose zu kommen.


    Ich las mir zwischenzeitlich eine Menge an Fachwissen an, insbesondere aus wissenschaftlichen Studien, die ich v.a. bei PubMed und ScienceDirect fand und die mir über meinen universitären Zugang im Originaltext zugänglich waren. Da ich Biologie und Chemie studiere, half mir dabei mein während des Studiums erworbenes Fachwissen, diese Studientexte besser zu verstehen und einzuordnen. Auch die Diskussionen mit anderen Hashimoto-Patienten in einem anderen deutschsprachigen Schilddrüsen-Selbsthilfeforum halfen mir, meine Konzepte weiterzuentwickeln, zu verfeinern, und mit den Beobachtungen aus aktuellen Studien abzugleichen.


    Auf diese Weise gelangte ich mit der Zeit zu der Schlussfolgerung, dass unsere Standardtherapie (L-Thyroxin, 1x täglich morgens nüchtern eingenommen) alles andere als physiologisch ist. In mir reifte die Überzeugung, dass viele Symptome, die typischerweise bei Patienten trotz dieser Therapiemethode auftraten, auf diese unzureichende Nachahmung der Funktionsweise der gesunden Schilddrüse zurückzuführen sind. Die o.g. Standardtherapie ist zweifellos ausreichend, um Patienten ein Myxödemkoma zu ersparen und mehr noch, sie sogar wieder einigermaßen lebensfähig und alltagstauglich zu bekommen - aber ein wirklich gutes Befinden, wie vor Ausbruch der Hashimoto-Thyreoiditis, erreichen damit meiner Beobachtung nach nur wenige. Hierbei spielt natürlich auch die bewusste Wahrnehmung von Symptomen eine Rolle, da Schilddrüsensymptome oft sehr allgemein und unspezifisch sind.


    Der dritte Behandlungsversuch: Ein Modell einer physiologischen Substitution von Schilddrüsenhormonen
    Mein aktuelles Modell besteht aus diesem Grund darin, Medikamente zu benutzen, um die Funktion einer gesunden Schilddrüse so gut wie möglich nachzuahmen. Hierbei berücksichtige ich diverse Aspekte der gesunden Schilddrüsenfunktion, und setze die Medikamente gezielt so ein, dass sie diese Funktion abbilden.


    • Ich nehme beide Schilddrüsenhormone ein, die von der gesunden SD als Hauptprodukte produziert werden. (T3 und T4)
    • Ich berücksichtige das Verhältnis zwischen beiden Hormonen. (bei Gesunden: Stoffmengenverhältnis ca. 1:12 - 1:17)
    • Ich berücksichtige den circadianen fT3-Rhythmus. (s. Studie von Russell et al.)
    • Ich verteile die Schilddrüsenhormone über den Tag. (T4 nehme ich 2x täglich, T3 nehme ich 4x täglich)
    • Ich lasse den TSH-Wert nicht supprimieren. (bei Gesunden liegt er bei ca. 0,3 - 2,5 µIE/mL)
    • Ich berücksichtige nicht nur freies T3, sondern ebenso reverses T3. (reverses T3 ist kompetitiver Inhibitor von freiem T3)
    • Ich berücksichtige nicht nur die freien Schilddrüsenhormonkonzentrationen im Blut, sondern ebenso die Verhältnisse zwischen ihnen. (Schilddrüsenwerte sind individuell sehr verschieden, s. Studie von Andersen et al.; insb. der rT3-Wert ist daher alleine kaum interpretierbar, weil die Stärke der kompetitiven Hemmung von der Konzentration an rT3 und fT3 abhängt! Daher sind Verhältnisse m.E. sinnvoller!)


    Hierbei ist es wichtig, zu wissen, dass 1µg des Schilddrüsenhormons T3 etwa dieselbe Wirkung auf den TSH basal ausübt wie 3µg des Schilddrüsenhormons T4. (vgl. Studie von Celi et al.) Dies macht die Kombinationstherapie mit beiden Schilddrüsenhormonen wesentlich berechenbarer, denn diese Information erlaubt es nun, die Gesamthormonwirkung einer Kombinationsdosis quantitativ (= in Zahlen) einzuschätzen:[center]

    Zitat

    (Gleichung 1) t4 = (1,54 * 0,95 * G * v) / (1,54 * 0,95 * v + 3 * 1,29 * 0,75)
    (Gleichung 2) t3 = (1,29 * 0,75 * t4) / (1,54 * 0,95 * v)


    G = gewünschte Gesamthormonwirkung [in µg T4]
    v = gewünschtes resorbiertes Stoffmengenverhältnis zwischen T3 und T4
    [z.B. 14 = 1:14]


    Funktionsweise: G und v in Gleichung 1 einsetzen. Dann G, v, t4 in Gleichung 2 einsetzen.
    Hierbei entsprechen t3 und t4 eurer neuen Kombitherapiedosis, die ihr sucht.

    [/center]


    Beispielsweise lässt sich mit Hilfe dieser Formeln ermitteln, dass eine Dosis von 100µg T4 ungefähr denselben TSH basal ergeben wird wie eine kombinierte Dosis aus 87,6µg T4 + 4,1µg T3. Gleichzeitig gelangen bei dieser kombinierten Dosis die Schilddrüsenhormone in einem T3:T4-Stoffmengenverhältnis von 1:14 ins Blut, d.h. auf ein Molekül T3 kommen vierzehn Moleküle T4, was bereits der Ausschüttung einer gesunden Schilddrüse nahe kommt.


    Die o.g. Formeln erleichtern daher die Einstellung mit T3/T4-Kombitherapie, denn anstelle mit zwei Schilddrüsenhormonen zu jonglieren, wählt man einfach ein physiologisches T3:T4-Verhältnis (lt. Studien im Bereich ca. 1:12 - 1:17) und dreht nur noch an der Gesamthormonwirkung G. Somit hat man auch bei Kombitherapie nur noch eine Stellschraube, die man verändern kann, was die Einstellung wesentlich vereinfacht.
    (Hinweis: Diese Formeln gehen davon aus, dass das Schilddrüsenhormon T4 zu ca. 75% und das Schilddrüsenhormon T3 zu ca. 95% resorbiert wird. Das entspricht gängigen Studienergebnissen von beispielsweise Hays et al., vgl. diese und diese Studie. Bei gastrointestinalen Krankheiten wie z.B. Nahrungsmittelintoleranzen oder Morbus Crohn sind diese Resorptionsraten verändert. Deshalb gelten die o.g. Formeln nur für gastrointestinal gesunde Menschen!)


    Als Präparate verwende ich Liotir (T3) und L-Thyroxin Henning (T4). Auf die Beschaffung und Benutzung von Liotir werde ich in einem extra Beitrag gesondert eingehen.


    Die Ausgangsbasis: Meine aktuellsten Blutwerte
    Meine letzten aussagekräftigen Blutwerte ergaben im März 2013 einen TSH-Wert von 1,04 µIU/mL bei einer Dosis von 75µg T4 (2-fach gesplittet, Aufwachen/Einschlafen) und 2,5µg T3 (nicht gesplittet, Einschlafen). Nach dem Aufwachen habe ich mind. 30 min. Abstand zum Frühstück eingehalten, vor dem Einschlafen mind. 2 Stunden Abstand zur letzten Mahlzeit. Mein Befinden war unter dieser Dosis deutlich hypothyreot, mit starkem Frieren und starker Müdigkeit, wobei sich das Frieren stets nur nach Einnahme der T3-Dosis besserte, bis ich einschlief.


    Die Werte zeigten zudem ein fT3/rT3-Verhältnis, das viel weiter auf rT3-Seite liegt als es bei Gesunden der Fall ist.



    Messwert Einheit
    Referenzbereich Graubereich +/-
    TSH basal 1,04 µIU/mL 0,40-4,00 2,5-4,00
    fT3 3,56 pg/mL 2,3-4,2
    fT4
    1,19 ng/dL 0,8-1,8
    rT3
    366,5 pg/mL < 614 380-613
    fT4/fT3
    0,28 0,22-0,50
    fT3/rT3
    9,71 * 10[super]-3[/super] 18 * 10[super]-3[/super] - 26 * 10[super]-3[/super] -


    Der Referenzbereich für das fT3/fT4-Verhältnis entstammt hierbei folgender Studie: Gullo et al., "Levothyroxine Monotherapy Cannot Guarantee Euthyroidism in All Athyreotic Patients, 2011, PLoS ONE 6(8): e22552, Figure 1.


    Der Referenzbereich für das fT3/rT3-Verhältnis wurde von mir aus den Daten folgender Studie abgeschätzt: Chomard et al., "Serum concentrations of total T4, T3, reverse T3 and free T4, T3 in moderately obese patients", Hum Nutr Clin Nutr. 1985 Sep;39(5):371-8.
    (meine Abschätzung s.
    dieser Beitrag)


    Diese Laborwerte zeigen, dass eine Gesamthormonwirkung von 82,5µg T4 (75µg T4 + 2,5µg T3) einen TSH im Zielbereich erzeugt hat. Gleichzeitig lag aber ein zu niedriges fT3/rT3-Verhältnis vor, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass das resorbierte T3:T4-Verhältnis von ca. 1:20 unphysiologisch war, da es zu T4-reich ist.


    Zukünftige Dosierung der Schilddrüsenhormone: Eine Abschätzung
    Die Abschätzung einer passenden Gesamthormonwirkung wird schwierig, da ich zwischenzeitlich (seit den o.g. Blutwerten) etliche Faktoren in meinem Leben verändert habe (oder noch verändern werde), die einen Einfluss auf die Dosierung haben:


    • Ich habe eine Glutensensitivität festgestellt (per Auslassdiät), in deren Folge ich Lactoseintoleranz und Fructosemalabsorption als sekundäre Intoleranzen entwickelt hatte. Zum Zeitpunkt der o.g. Blutentnahme wusste ich jedoch von alledem nichts, und aß lactose- und fructosereiche Kost mit entsprechenden Magen-Darm-Beschwerden.
    • Inzwischen haben sich die sekundären Intoleranzen zurückgebildet.
    • Ich ernähre mich nun glutenfrei.
    • Ich splitte die T3-Dosis vierfach, anstatt sie komplett vorm Einschlafen zu nehmen.
    • Mein Fitnesstraining ist deutlich intensiver geworden.
    • Ich werde bald mit Ausdauertraining beginnen.
    • Meine Ernährung ist deutlich kalorien- und proteinreicher geworden.
    • Es findet mehr Muskelaufbau statt.


    All diese Faktoren beeinflussen entweder den Hormonbedarf des Körpers, oder die Hormonresorption im Dünndarm. Eine Abschätzung der korrekten Gesamthormonwirkung erweist sich deshalb als überaus schwierig - ich werde es mit geschätzten 87,5µg T4 versuchen.


    Ausblick: Wie es weiter gehen wird...
    Diese Gesamthormonwirkung wird dann anhand der bereits beschriebenen Konzepte realisiert werden. Das bedeutet, ich werde meinem körper diese (durch den Autoimmunprozess) fehlende Menge an Schilddrüsenhormonen möglichst "naturgetreu" zuführen, indem ich mittels Medikamenten die Funktion einer gesunden Schilddrüse nachahmen werde.


    Ich habe bereits gesagt, dass dabei das T3-Präparat Liotir eine wichtige Rolle einnehmen wird. Was Liotir ist, wieso ich es einsetzen will, welche Vor- und Nachteile es hat, und wie man es bestellt und verwendet, werde ich im nächsten Beitrag erzählen.

  • [center]Das Präparat Liotir: Eine Vorstellung[/center]


    Was ist Liotir?
    Liotir ist ein Präparat, welches das Schilddrüsenhormon T3 in flüssiger Form enthält. Es handelt sich dabei um eine Flasche mit 20mL Flüssigkeit, die 20µg T3 pro mL enthält. Die Flüssigkeit wird über eine Tropfpipette entnommen, wobei tropfengenau dosiert werden kann. Hieraus ergibt sich eine Dosierung von 0,71µg T3 pro Tropfen. Das Präparat ist auf dem deutschen Markt nicht erhältlich, kann jedoch über eine internationale Apotheke aus Italien bezogen werden. Dort wird es von der Firma IBSA Farmaceutici Italia S.r.l. hergestellt.


    Was ist das Besondere an Liotir?, Teil 1 - Welche T3-Präparate es in Deutschland gibt
    Die konventionellen T3-Präparate, die in Deutschland erhältlich sind, sind schlecht dosierbar. Das einzige (!) T3-Monopräparat (d.h. ein Medikament, das ausschließlich das Schilddrüsenhormon T3 enthält und keine anderen Wirkstoffe), das hierzulande erhältlich ist, ist Thybon. Thybon gibt es in zwei Dosierungen: 100µg T3 pro Tablette, und 20µg T3 pro Tablette - wobei die Tabletten lt. Herstellerangaben maximal halbiert werden dürfen.


    Daneben gibt es noch zwei Kombinationspräparate (d.h. Medikamente, die eine Kombination der Wirkstoffe T3 und T4 enthalten). Es gibt Novothyral, das in Dosierungen von 100µg T4 + 20µg T3 oder 100µg T4 + 10µg T3 oder 75µg T4 + 15µg T3 erhältlich ist. Außerdem gibt es Prothyrid, das ausschließlich in der Dosierung von 100µg T4 + 10µg T3 erhältlich ist. Hierbei dürfen die Tabletten lt. Herstellerangaben maximal halbiert werden.


    Was ist das Besondere an Liotir?, Teil 2 - Wie viel T3 benötigt man pro Tag
    Die kleinstmögliche T3-Einzeldosis, die sich mit diesen Präparaten herstellen lässt, ist demnach 5µg T3 + 50µg T4 (entsprechend 1/2 Tbl. Prothyrid). Hierbei muss beachtet werden, dass es sich bei Prothyrid um ein Kombinationspräparat handelt, und somit stets ein gewisser T4-Anteil enthalten ist. Die kleinstmögliche T3-Einzeldosis, die sich ohne Beimischung anderer Wirkstoffe herstellen lässt, ist sogar noch größer: 10µg T3 (entsprechend 1/2 Tbl. Thybon 20µg).


    Eine Studie von Pilo et al. fand 1990 mittels radioaktiv markierten Schilddrüsenhormonen heraus, dass ca. 3,3µg * day-1 * m-2 (d.h. Mikrogramm / [Tag * m² Körperfläche]) von der Schilddrüse ausgeschüttet werden. Die tägliche T4-Produktion der gesunden Schilddrüse beträgt lt. dieser Studie ca. 56,2µg * day-1 * m-2.


    Das bedeutet, dass ein Mensch von meinen Körpermaßen (ca. 1,80m hoch, ca. 0,35m breit = 0,63m² Körperfläche) täglich ungefähr 89µg T4 + 5µg T3 von der Schilddrüse ausgeschüttet bekommt. Gesunde Schilddrüse vorausgesetzt.


    Die ETA (European Thyroid Association) empfiehlt in ihren aktuellen Leitlinien, die T3-Tagesdosis zweifach zu splitten. Ich persönlich bin der Meinung, dass aufgrund der kurzen T3-Plasmahalbwertszeit von nur ca. 17 Stunden sogar ein vierfaches Splitting erforderlich ist, damit die Konzentration an freiem T3 im Blut den ganzen Tag über annähernd konstant bleibt.


    Wenn meine gesunde Schilddrüse lt. den o.g. Daten pro Tag ca. 5µg T3 herstellt, und meine Schilddrüse durch Hashimoto teilweise (aber nicht ganz) zerstört ist, muss ich eine Dosis im Bereich zwischen 0µg und 5µg T3 pro Tag von außen zuführen. Diese Dosis müsste jetzt lt. der o.g. Leitlinien der ETA auf zwei Einzeldosierungen aufgeteilt werden, die im einfachsten Fall gleich groß wären, also 2x 2,5µg T3, die ich jeweils morgens und abends einnehme.


    Was ist das Besondere an Liotir, Teil 3 - Das Problem dahinter verstehen lernen
    Das Problem ist nun: Es gibt auf dem deutschen Markt überhaupt kein T3-Präparat, das eine Einzeldosis von 2,5µg T3 bietet! Wir erinnern uns: Die kleinstmögliche T3-Einzeldosis ist 5µg T3 (plus gleichzeitig 50µg T4), was durch 1/2 Tbl. Prothyrid erreicht werden kann. Möchte man sogar vierfach splitten, so benötigt man vier Einzeldosierungen á 1,25µg T3, was erst recht nicht mehr herstellbar ist.


    Theoretisch kann man sich behelfen, indem man Prothyrid mit einem scharfen Tablettenteiler achtelt. Das ist aber nicht empfehlenswert, denn:


    • Der Hersteller garantiert keine Gleichverteilung des Wirkstoffs in den 8 Achteln der Tablette. Gleichverteilung ist nur für 2 Hälften garantiert.
    • Mechanisch ist das Herstellen von Achteln beschönigend ausgedrückt eine Herausforderung, realistisch ausgedrückt eine Zumutung. Man wird niemals identische, d.h. gleich große, Achtel bekommen.
    • Das Schlimmste: Es ist stets eine Kombination aus T3+T4 in jedem Achtel enthalten. Bei vier Einnahmezeitpunkten (4-fach Splitting des T3) entfallen aber 2 Einnahmezeitpunkte auf nüchterne Zeiten (Aufwachen/Einschlafen) und 2 Einnahmezeitpunkte auf nicht-nüchterne Zeiten (Mittags / Nachmittags). Die Resorption von T4 wird aber durch Nahrung beeinträchtigt und ist dann jeden Tag anders, weil auch die Art und Menge der Nahrung jeden Tag anders ist.


    Prothyrid ist also keine brauchbare Lösung für 4-fach Splitting des T3. Ich habe es selbst ausprobiert.


    Was nun? Die kleinstmögliche T3-Einzeldosis, die auch wirklich nur T3 enthält und sonst nichts, ist 1/2 Tbl. Thybon 20µg = 10µg. Was nichts anderes bedeutet als Folgendes, das ihr euch auf der Zunge zergehen lassen solltet:


    [center]Beim einzigen in Deutschland erhältlichen T3-Monopräparat (Thybon) beträgt die kleinstmögliche Dosierung also bereits das DOPPELTE der Schilddrüsen-Tagesproduktion eines schlanken Erwachsenen von 1,80m Körpergröße![/center]
    Diese Situation wird noch verschärft durch eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2008, die belegt, dass ca. 16% aller Hypothyreosepatienten ohne eine Einnahme von T3 gar kein Wohlbefinden erreichen können, da ihr Befinden aus genetischen Gründen unter T4-Monotherapie stets schlechter sein wird als unter T3/T4-Kombitherapie. (vgl. Panicker et al. sowie den dazugehörigen Artikel aus der Ärztezeitung)


    [center]Okay, machen wir ein Zugeständnis und beschränken wir uns auf zweimal tägliche Einnahme, wie sie von den ETA-Leitlinien gefordert wird. Die kleinstmögliche Dosierung beträgt dann immer noch die GESAMTE Schilddrüsen-Tagesproduktion eines schlanken Erwachsenen von 1,80m Körpergröße, eine Aufteilung auf 2x täglich ist also damit unmöglich![/center]
    Was lernen wir daraus?


    Die kleinstmöglichste T3-Dosierung, die hierzulande überhaupt erhältlich ist, würde (wenn man sie zweimal täglich einnimmt) also bereits doppelt so viel T3 enthalten wie die gesunde (!) Schilddrüse eines schlanken Erwachsenen von 1,80m Körpergröße überhaupt pro Tag ausgeschüttet hat. Ein Patient wie ich kann also maximal mit einer Genauigkeit von "2 gesunden Schilddrüsen pro Tag" dosieren, kleiner geht nicht. Absurd.


    [box][center]Für viele Patienten ist der Einsatz der in Deutschland erhältlichen T3-Präparate also schlicht und ergreifend gar nicht möglich, obwohl sie aus genetischen Gründen zwingend darauf angewiesen sind. :NIchtGanzDicht:[/center][/box]



    Was ist das Besondere an Liotir?, Teil 4 - Liotir als Ausweg aus dem Dilemma
    Genau hier kommt nun Liotir ins Spiel, denn damit lassen sich T3-Einzeldosierungen von 0,71µg einnehmen, was einem Tropfen entspricht. So wird die Herstellung der benötigten T3-Dosis für viele Patienten überhaupt erst möglich.


    Außerdem ermöglicht Liotir aufgrund seiner feinen Dosierbarkeit sogar eine mehrfach gesplittete Einnahme des T3, mit dem Ziel, Befindensschwankungen (die durch die kurze Halbwertszeit entstehen) zu minimieren, indem man die Dosis über den Tag verteilt. 8|


    Wie bekommt man Liotir?
    Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass man ein Medikament bestellen wird, das aus Italien importiert werden muss. Deutsche Apotheken um die Ecke haben Liotir daher nicht vorrätig und der Bestellweg ist deshalb etwas anders. Die Umwege sind aber nur geringfügig.


    Zuerst muss man sich vom Arzt ein Rezept über Liotir verschreiben lassen. In vielen Fällen wird der Arzt sich vermutlich weigern, es als Kassenrezept zu verschreiben (warum auch immer, richtig finde ich das angesichts der o.g. Faktenlage nicht!), und man bekommt stattdessen ein Privatrezept. Allerdings gibt es auch beim Privatrezept die Möglichkeit, das Geld von der Krankenkasse später erstattet zu bekommen, wenn man eine vernünftige Begründung dafür abliefert (Material dafür habt ihr ja jetzt genug, s.o.).


    [box][center]Wichtig!
    Liotir ist angebrochen nur 1 Monat haltbar, unangebrochen jedoch 2 Jahre.[/center]
    [/box]


    Es macht also Sinn, sich vom Arzt gleich mehrere Packungen auf einem Rezept verschreiben zu lassen, damit man stets genügend zuhause hat; Arzt, Krankenkasse, Apotheke und sich selbst eine Menge lästige Arbeit erspart; und obendrein auch noch Versandkosten spart. 4 Packungen auf einem Rezept versorgen euch für 4 Monate und entsprechen somit einem Quartalsrezept, wie es für Schilddrüsenhormone üblich ist.


    Wer sich Liotir zum allerersten Mal verschreiben lässt, der möchte hier vielleicht einen Kompromiss mit seinem Arzt schließen und erstmal nur 2 Packungen bestellen. Das reicht für 2 Monate, so dass ihr das Präparat ausprobieren könnt, und eurem Arzt anschließend darüber Bericht erstatten könnt. Insbesondere, wenn er Liotir nicht kennt und ihr daher sein erster Patient seid, der damit behandelt wird, macht ein solches Rezept über 2 Packungen durchaus Sinn. Vereinbart dann einfach einen Kontrolltermin inkl. Blutentnahme in 8 Wochen, so dass euer Arzt dann mit euch besprechen kann, wie das Liotir wirkt, ob ihr damit zufrieden seid, und er auch den Effekt auf eure Blutwerte sehen kann.
    Wenn das geklappt hat, können Folgerezepte dann ja über 4 Packungen (oder mehr) ausgestellt werden, so dass ihr ein ganzes Quartal (oder länger) damit auskommt.
    (Hinweis: Wer ganz sicher gehen will, dass aufgrund der ca. 14-tägigen Bestellzeit des Liotir keine Versorgungslücke entsteht, der vereinbart einen Kontrolltermin bereits nach ca. 6 Wochen. So bleibt dann genug Zeit, das Folgerezept einzulösen.)


    Ihr kommt nun also vom Arzt mit einem Privatrezept oder einem Kassenrezept über Liotir nach Hause:


    [center][Blockierte Grafik: http://www.apotheken-umschau.de/multimedia/28/98/230/66595790865.jpg
    Ein Privatrezept
    - Die Kosten für das Medikament bezahlt ihr, könnt sie euch aber ggf. von eurer Krankenkasse erstatten lassen -


    [Blockierte Grafik: http://www.apotheken-umschau.de/multimedia/72/239/44/66504671249.jpg]
    Ein Kassenrezept
    - Die Kosten für das Medikament bezahlt auf jeden Fall die Krankenkasse, ihr bezahlt nur einen geringen Zuzahlungsbetrag -[/center]


    Dieses Rezept könnt ihr nun bei einer Apotheke einlösen. Nur, dass es diesmal nicht die Apotheke um die Ecke sein kann, sondern ihr euch eine internationale Apotheke suchen müsst. Diese befinden sich ebenfalls in Deutschland, sind aber etwas größer und kaufen auch Präparate aus dem Ausland für euch ein. Google oder die gelben Seiten bieten euch da alles, was ihr braucht, um eine zu finden. Ein Vergleich lohnt sich übrigens, da die Lieferzeiten sich unterscheiden können.


    Als Beispiel, hier meine internationale Apotheke, bei der ich bestellt habe:


    [center]Apotheke am Hauptbahnhof
    Steindamm 2
    20099 Hamburg
    http://www.apothekeamhauptbahnhof.de/
    [/center]


    Die Apotheke bekommt dann von euch das Rezept per Brief zugeschickt und das Geld überwiesen. Für mein Privatrezept hat bei der o.g. Apotheke sogar eine E-Mail mit Foto des Rezepts gereicht. Kassenrezepte müssen hingegen zugeschickt werden.


    Anschließend bestellt sie das Medikament für euch. Sobald die Apotheke es erhalten hat, schickt sie es euch per Post an eure Adresse zu. (alternativ, wer eine internationale Apotheke persönlich besuchen kann, macht all das dann noch simpler per Hand)


    Auf diese Weise habt ihr nach insgesamt ca. 14 Tagen euer Liotir!


    Was ist drin? - Das Liotir-rundum-sorglos-Paket
    Nachfolgend einige Impressionen in Bildern, damit ihr euch das besser vorstellen könnt. Also, ihr erhaltet wie gesagt eure Packung Liotir. Oben aufgedruckt findet ihr das Haltbarkeitsdatum, das sich auf die ungeöffnete (!) Flasche bei kühler (max. 25°C) und lichtgeschützter Lagerung bezieht.


    [center][attachment=2]Liotir Verpackung oben.jpg[/attachment][attachment=3]Liotir Verpackung oben.jpg[/attachment]
    P.S.: Wie man am aufgedruckten Preis erkennt, lohnt es sich anscheinend, Verwandte in Italien zu haben...so rein hypothetisch.[/center]


    Wenn ihr die Packung öffnet und den Inhalt vorsichtig vor euch ausbreitet, habt ihr das Liotir-rundum-sorglos-Paket! Bestehend aus: Verpackung, Liotir-Flasche, Pipette (in Schutzhülle verpackt) und Packungsbeilage.


    [center][attachment=1]Liotir Gesamtpaket.jpg[/attachment][/center]


    Die Liotir-Flasche zeige ich euch in Detailaufnahme, damit ihr den gesamten Text des Flaschenetiketts lesen könnt.


    [center][attachment=0]Liotir Flasche.jpg[/attachment][/center]

  • Die Pipette müsst ihr vorsichtig behandeln. Reißt nicht einfach irgendwie daran herum, sondern überlegt euch genau, was ihr tut. Sie kommt wie gesagt in einer Schutzhülle verpackt bei euch an. Auf der Pipettenoberseite findet ihr den Trick, wie ihr diese Schutzhülle öffnen könnt: Herunterdrücken, heruntergedrückt halten und währenddessen gegen den Uhrzeigersinn drehen.


    [center][attachment=3]Liotir Pipette verpackt.jpg[/attachment][attachment=2]Liotir Pipette oben.jpg[/attachment][/center]


    Dann könnt ihr die Schutzhülle abschrauben und erhaltet die eigentliche Pipette.


    [center][attachment=1]Liotir Pipette ausgepackt.jpg[/attachment][/center]


    Diese setzt ihr auf die Liotir-Flasche auf, wozu ihr diese natürlich zuerst öffnen müsst, wodurch dann die 1-monatige Haltbarkeit beginnt. (nicht gezeigt)


    Der Packungsbeilage könnt ihr übrigens entnehmen, dass 1 Tropfen tatsächlich 0,71µg T3 enthält.


    [center][attachment=0]Liotir Packungsbeilage.jpg[/attachment][/center]


    Die gesamte Packungsbeilage findet ihr übrigens unter diesem Link: klick!
    Tipp: Mit Google Translate erhaltet ihr eine rudimentäre, aber verständliche Übersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche.


    Die Benutzung des Präparats Liotir
    Hat man das Liotir erstmal vom Arzt verschrieben bekommen, das Rezept eingelöst, das Paket von der Apotheke erhalten und ausgepackt, und die Flasche wie oben beschrieben einsatzbereit gemacht, so gestaltet sich die tägliche Benutzung sehr einfach! :ThumbsUp:


    Dennoch gilt es einige Dinge zu beachten, die vielleicht auf den ersten Blick selbsterklärend klingen mögen, aber wichtig sind.


    Die Tropfen sollen gemäß Packungsbeilage in wenig Wasser aufgelöst werden. Nehmt also ein Wasserglas, füllt es mit einer kleinen Menge Wasser, und schon habt ihr die perfekte Ausgangsbasis.


    Bei der Pipette handelt es sich um einen Senkrechttropfer. Es gelten die gängigen Regeln zum Pipettieren:


    • Die Pipettenspitze muss in die zu pipettierende Flüssigkeit eintauchen, während man mit etwas Druck das Gummihütchen eingedrückt hält und so einen Unterdruck erzeugt.
    • Durch vorsichtiges, teilweises Wegnehmen des Drucks auf das Gummihütchen saugt man die Flüssigkeit an. Dabei muss der Flüssigkeitsspiegel stets im Blick behalten werden, damit man nicht aus Versehen Luft ansaugt, und die Flüssigkeit die Pipette hochschießt! Der schwächer gewordene, aber immer noch vorhandene Druck auf das Gummihütchen hält nun die Flüssigkeit in der Pipette fest.
    • Pipette S.E.N.K.R.E.C.H.T. über das Glas mit Wasser halten. Druck auf das Gummihütchen vorsichtig leicht erhöhen, bis sich ein Tropfen bildet. Die Pipette bleibt während des gesamten Vorgangs exakt senkrecht, denn nur dann erhält man ein genaues Ergebnis mit Tropfengröße wie vom Hersteller berechnet! Niemals wird die Pipette schief oder gar waagerecht gehalten!
    • Auf diese Weise die gewünschte Anzahl an Tropfen ins Wasserglas pipettieren.
    • Pipette wieder auf das Vorratsgefäß aufsetzen, eventuell noch vorhandene Restflüssigkeit dabei zurück ins Gefäß geben. Gefäß dicht verschließen, damit keinesfalls Luft eindringen kann.


    Das Wasser wird danach sofort vollständig ausgetrunken und das Liotir wieder dicht verschlossen bei max. 25°C lichtgeschützt gelagert. Die Flasche verfügt über einen eigenen Lichtschutz (braunes Glas), weshalb man diesbezüglich nicht penibel sein muss, aber direkte Sonneneinstrahlung sollte auf jeden Fall vermieden werden. Das ist ausdrücklich keine Besonderheit des Liotirs, sondern Temperaturlimit und Lichtschutz gilt beides genauso für übliche Tabletten mit Schilddrüsenhormonen, z.B. L-Thyroxin.


    Dieser Vorgang dauert, nachdem man ihn 1-2 mal gewissenhaft geübt hat, nur wenige Sekunden und liefert ein zuverlässiges Ergebnis. Natürlich sind flüssige Medikamente ungenauer dosierbar als Tabletten, aber bei einer so geringen Dosierung von 0,71µg pro Tropfen müsst ihr euch um vielleicht +/- 5% Abweichung pro 10 Tropfen (ca. +/- 0,4µg pro 10 Tropfen) sicherlich keine Gedanken machen. ;)


    [center]Zusammengefasst:
    Wer diese Hinweise beachtet, kann sich einfach, schnell und zuverlässig seine gewünschte T3-Dosis tropfengenau herstellen!
    :ThumbsUp:[/center]
    Ich weise hierbei explizit darauf hin, dass sich einzelne Tropfen dosierungssicher mit diesem Präparat herstellen lassen. Die Pipette ermöglicht jedem Anwender die Herstellung von genau 1 Tropfen, wenn er das möchte. Das bedeutet: In der Praxis sind tatsächlich Dosierungsintervalle von 0,7µg T3 mit diesem Präparat möglich!


    Abschließender Kommentar / meine persönliche Meinung
    Das Liotir erfüllt meine Erwartungen voll und ganz. Die Handhabung geht sehr sicher und einfach, wenn man die grundlegenden Regeln des Pipettierens beachtet (v.a. das Senkrechthalten). Der Zeitaufwand ist minimal, und das Herstellen einer tropfengenauen Dosis ist müheloser als das Zerteilen von Thybon mit einem Tablettenteiler wäre.


    Die Genauigkeitsvorteile liegen auf der Hand: So dosierungssicher war T3-Einnahme noch nie! Man hat das gute Gefühl, immer die korrekte Menge an Schilddrüsenhormon einzunehmen.


    Der Nachteil der kurzen Haltbarkeit (1 Monat bei angebrochener Flasche) lässt sich durch Ausstellen eines Rezepts über mehrere Packungen ganz simpel ausgleichen. Weitere Nachteile konnte ich bei diesem Präparat nicht feststellen.


    Ich sag's mal ganz deutlich: Hier tut sich eine völlig neue Dimension von Schilddrüsenhormontherapie auf, denn Liotir ermöglicht uns viele neue Therapiemöglichkeiten! Allen voran die Möglichkeit, die kurze Halbwertszeit des T3 (ca. 17 Stunden) auszugleichen, indem man es über den Tag verteilt einnimmt, beispielsweise 4x täglich (= ca. alle 6 Stunden). Damit lässt sich die Funktion einer gesunden Schilddrüse, die das T3 ebenfalls über den Tag verteilt ausgeschüttet hätte, viel besser nachahmen. Fazit: Sehr empfehlenswert, und die Anwendung ist sogar noch einfacher als ich sie mir vorgestellt hatte!


    Ausblick
    Im nächsten Teil meines Tagebuchs werde ich euch einige aktuelle Studien (Forschung der letzten ca. 10 Jahre) zum Thema Schilddrüsenhormone vorstellen, die ihr unbedingt kennen solltet, mit einer kurzen Zusammenfassung ihres wesentlichen Inhalts. Das beinhaltet Themen wie: Abendeinnahme von L-Thyroxin, Splitting, genetische Polymorphismen, Resorption im Dünndarm, Äquivalenz zwischen T3 und T4, circadiane Rhythmik, was mit den Blutwerten nach Tabletteneinnahme passiert, welche Daten für T3/T4-Kombitherapie als ideale Therapieform sprechen, und warum Vitamin C nicht nur bei Erkältung hilft...

  • Ich werde wöchentliche Beiträge über mein Befinden schreiben. Tägliche Beiträge machen meiner Meinung nach keinen Sinn, da das Befinden insbesondere in der Zeit nach der Dosisumstellung schnell schwankt.

  • Wissenschaftliche Studien zum Thema Schilddrüsenhormone


    Wie im letzten Teil angekündigt, möchte ich euch heute einen kleinen Überblick über einige relevante wissenschaftliche Studien geben. Mein Ziel ist nicht eine abschließende Diskussion dieser Studien - bei Interesse möge sie jeder selbst lesen. Sondern ich möchte zusammenfassen, was meiner Meinung nach diese Studien für unsere Behandlung aussagen.


    Schilddrüsenwerte unterscheiden sich zwischen Menschen erheblich
    Die Studie untersuchte 16 gesunde Männer über einen Zeitraum von 12 Monaten. Gesamt-T3, Gesamt-T4, fT4-Index und TSH wurden gemessen. Die individuellen Werte der Probanden streuten um einen persönlichen Mittelwert. Die 95%-Konfidenzintervalle dieser individuellen Werte betrugen ca. 50% des Laborreferenzbereichs.


    Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass Laborwerte innterhalb des Laborreferenzbereichs nicht notwendigerweise normal für ein bestimmtes Individuum sein müssen:

    Zitat

    In conclusion, we found that individual reference ranges for serum T3 and T4 are about half the width of population-based reference ranges. Hence, a test result within the laboratory reference limits is not necessarily normal for the individual.


    Demzufolge ist die Aussagekraft der Laborreferenzbereiche gering. Außerdem sind Schilddrüsenwerte zwischen zwei Individuen praktisch nicht miteinander vergleichbar, weil die Individualität so hoch ist. Aussagen wie "Dein fT4 liegt bei gerade mal 1,1 ng/dL - kein Wunder, dass es dir damit schlecht geht!" sind daher wissenschaftlich gesehen Unsinn.


    Andersen et al.: "Narrow Individual Variations in Serum T4 and T3 in Normal Subjects: A Clue to the Understanding of Subclinical Thyroid Disease", The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 87(3):1068 1072, 2002.



    Vitamin C erhöht die Resorption von L-Thyroxin
    Die Studie untersuchte 28 Patienten, die mit ungewöhnlich hohen T4-Dosierungen behandelt wurden (>1,70 µg/kg Körpergewicht), und trotzdem noch keinen TSH im Referenzbereich hatten. Die Teilnehmer nahmen ihr L-Thyroxin während der Studie zusammen mit 1000mg Vitamin C ein. Die Schilddrüsenhormondosis wurde konstant gehalten.


    Es zeigte sich, dass der TSH bei allen 28 Patienten nach 6-8 Wochen signifikant (p < 0,0001) fiel, durchschnittlich um ca. 70 -± 22 %. 19 von 28 Patienten erreichten durch die Vitamin C-Behandlung sogar einen TSH im Referenzbereich.


    Die Autoren der Studie schlussfolgern daher, dass Vitamin C die Resorption von L-Thyroxin erhöht, und empfehlen die Verwendung bei Patienten mit T4-Resorptionsstörungen:


    Zitat

    1) Vitamin C enhances oral absorption of levothyroxine; 2) Co-administration of Vitamin C with levothyroxine should be considered in patients with difficulties in the absorption of levothyroxine.


    Antúnez et al.: "Vitamin C improves the apparent absorption of levothyroxine in a subset of patients receiving this hormone for primary hypothyroidism", Rev Argent Endocrinol Metab 48: 16-24, 2011.



    L-Thyroxin wird abends besser resorbiert als morgens
    Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus den Niederlanden. In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie nahmen 90 Probanden zwei Hormonkapseln täglich; eine enthielt ein Placebo, eine den Wirkstoff. Die Morgenkapsel wurde 30 min. vor dem Frühstück eingenommen, die Abendkapsel direkt vor dem Einschlafen (ohne Vorschriften bzgl. abendlicher Nahrungsaufnahme). Nach 3 Monaten wurde im Crossover-Design zwischen den Gruppen gewechselt. Die Studie dauerte insgesamt 6 Monate.


    Im Vergleich zur Morgeneinnahme führte die Abendeinnahme von L-Thyroxin zu einem 0,60-1,89 mIU/L niedrigeren TSH, zu einem 0,02-0,13 ng/dL höheren fT4, und zu einem 0,9-12,1 ng/dL höheren Gesamt-T3. Die Schilddrüsenwerte verbesserten sich also signifikant, wobei das Befinden subjektiv aber gleich blieb.


    Als Schlussfolgerung empfehlen die Autoren der Studie, zu überlegen, das L-Thyroxin abends einzunehmen:

    Zitat

    Levothyroxine taken at bedtime significantly improved thyroid hormone levels. Quality-of-life variables and plasma lipid levels showed no significant changes with bedtime vs morning intake. Clinicians should consider prescribing levothyroxine intake at bedtime.


    Bolk et al.: "Effects of Evening vs Morning Levothyroxine Intake - A Randomized Double-blind Crossover Trial", Arch Intern Med. 2010;170(22):1996-2003.



    2 Stunden Abstand zwischen letzter Nahrungsaufnahme und L-Thyroxin Einnahme vorm Einschlafen reichen aus?
    Darauf deuten zumindest die Daten einer weiteren Studie zum Thema Abendeinnahme hin. 65 Probanden erhielten L-Thyroxin entweder mit 60 min. Abstand zum Frühstück, gleichzeitig mit einem Frühstück, oder mit mind. 2 Std. Abstand zur letzten Nahrungsaufnahme vorm Einschlafen.


    Der fT4-Wert war zwischen Morgeneinnahme (60 min. Abstand) und Abendeinnahme (2 Std. Abstand) nicht signifikant verschieden. Er betrug durchschnittlich 1,35 ng/dL bei Morgeneinnahme und 1,34 ng/dL bei Abendeinnahme. Auch das Gesamt-T3 unterschied sich nicht signifikant.


    Kurioserweise unterschied sich allerdings der TSH-Wert: Er lag bei Morgeneinnahme signifikant niedriger als bei Abendeinnahme (1,54 µIU/mL vs. 2,79 µIU/mL). Das widerspricht den nicht signifikant verschiedenen T3- und fT4-Werten, denn nach dem Modell des thyreotropen Regelkreises reagiert die Hypophyse auf Veränderungen dieser Hormonkonzentrationen. Weshalb die Studie veränderten TSH bei gleichen Hormonkonzentrationen beobachtet hat, bleibt ein Rätsel.


    Beurteilt man die T4-Resorption anhand des fT4-Werts, so erwiesen sich 2 Stunden Abstand zwischen letzter Nahrungsaufnahme und Einnahme des L-Thyroxins als ausreichender Abstand.


    Bach-Huynh et al.: "Timing of Levothyroxine Administration Affects Serum Thyrotropin Concentration", J Clin Endocrinol Metab. 2009 October; 94(10): 3905-3912.



    L-Thyroxin wirkt bei Abendeinnahme genauso effektiv wie bei Morgeneinnahme.
    In aller Kürze: Eine Studie von Rajput et al. belegt, dass auch frisch eingestellte Patienten (die noch nie zuvor Schilddrüsenhormone genommen hatten, und zu Beginn der Studie hypothyreot waren) mit Abendeinnahme von L-Thyroxin genauso gut eingestellt werden können wie mit Morgeneinnahme.


    Die Autoren leiten daraus ab, dass die Abendeinnahme genauso effektiv ist wie die Morgeneinnahme:


    Zitat

    Hence, from the study we inferred that evening dose is as efficacious as morning dose and provides an alternate dosing regimen.


    Rajput et al.: "Can Levothyroxine Be Taken as Evening Dose? Comparative Evaluation of Morning versus Evening Dose of Levothyroxine in Treatment of Hypothyroidism", Journal of Thyroid Research Volume 2011, Article ID 505239.



    Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 sind in einem ca. 1:3-Verhältnis ersetzbar, ohne dabei den TSH zu verändern.
    Die Studie untersuchte 10 Athyreote, die mind. 30 Tage lang entweder T3-Monotherapie oder T4-Monotherapie erhielten, und damit einen TSH im Bereich 0,5-1,5 mU/L aufwiesen. Es wurden verschiedene Laborwerte gemessen, basierend auf einem TRH-Test; zusätzlich wurden natürlich die TSH-Basalwerte gemessen.


    In beiden Fällen (TSH basal und TSH stimuliert) ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen T3-Monotherapierten und T4-Monotherapierten, wenn diese eine Dosis bekamen, die T3 und T4 im Massenverhältnis von ca. 0,36 (T3:T4) bekamen. Das bedeutet, dass 1µg T3 TSH-äquivalent zu 2,8µg T4 sind, oder gerundet ca. 3µg T4.


    Zitat

    This is the first study addressing the equivalency between L-T3 and L-T4 therapy measured by baseline and TRH-stimulated TSH. The therapeutic substitution of L-T3 for L-T4 was achieved at approximately 1:3 ratio.


    Celi et al.: "The pharmacodynamic equivalence of levothyroxine and liothyronine. A randomized, double blind, cross-over study in thyroidectomized patients", Clin Endocrinol (Oxf). 2010 May ; 72(5): 709-715.


    Iodierung von Salz erhöht die Rate der Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen bei Jugendlichen
    2 Jahre nach Einführung der Iodierung wurden 1733 Jugendliche aus zwei verschiedenen Regionen untersucht: 993 aus einer Region, die bereits vor der Iodierung ausreichend mit Iod versorgt war (Gruppe 1), und 740 aus einer Region, die vor der Iodierung nicht ausreichend mit Iod versorgt war (Gruppe 2). Gemessen wurden TSH, fT4, TPO-AK, TG-AK und Iodausscheidung im Urin. Außerdem wurde ein Ultraschall der Schilddrüse gemacht.


    Die Iodausscheidung im Urin von Gruppe 1 war signifikant höher als bei Gruppe 2 (139µg/L vs. 61µg/L, p < 0,001). Hyperthyreose kam in Gruppe 1 häufiger vor als in Gruppe 2 (3,6% vs. 0,7%, p < 0,001). Hypothyreose kam in beiden Gruppen gleich häufig vor (1,8% vs. 1,4%, p > 0,05).
    Schilddrüsen-Antikörperwerte (TPO-AK und/oder TG-AK) waren in Gruppe 1 signifikant häufiger positiv als in Gruppe 2 (18,52% vs. 6,62%, p < 0,001).


    Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass die Einführung der Iodierung von Salz zwar den Iodmangel behoben hat, aber im Gegenzug die Häufigkeit der Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen signifikant gestiegen ist:


    Zitat

    In conclusion, iodine supplementation in Turkey has resulted in the elimination of iodine deficiency in Eastern Black Sea Region, and this has been accompanied by an increase in the prevalence of autoimmune thyroiditis and thyroid dysfunction.



    Emral et al.: "High Prevalence of Thyroid Dysfunction and Autoimmune Thyroiditis in Adolescents After Elimination of Iodine Deficiency in Eastern Black Sea Region of Turkey", Turkish Journal of Endocrinology and Metabolism, (2006) 1 : 13-20.



    T4-Monotherapie kann nicht bei allen Athyreoten eine Euthyreose herstellen, und verändert wahrscheinlich das Hypophysenfeedback
    1811 Athyreoten (mit normalen TSH-Werten unter T4-Monotherapie) und 3875 Euthyreoten wurde Blut abgenommen und daraus TSH, fT3 und fT4 bestimmt.


    Bei Athyreoten waren die fT4-Werte signifikant (p < 0,001) höher und die fT3-Werte signifikant (p < 0,001) niedriger als bei Gesunden. Außerdem ergaben sich Hinweise darauf, dass das Hypophysen-Feedback bei T4-Monotherapierten im Vergleich zu Gesunden verändert ist.


    Zitat

    FT4 levels were significantly higher and FT3 levels were significantly lower (p,0.001 in both cases) in levothyroxine-treated athyreotic patients than in matched euthyroid controls. Among the levothyroxine-treated patients 15.2% had lower serum FT3 and 7.2% had higher serum FT4 compared to euthyroid controls. A wide range of FT3/FT4 ratios indicated a major heterogeneity in the peripheral T3 production capacity in different individuals. The correlation between thyroid hormones and serum TSH levels indicated an abnormal feedback mechanism in levothyroxine-treated patients.


    Die Studie kommt zu dem Schluss, dass über 20% der Athyreoten nicht genügend T3 durch periphere Dejodierung erzeugen können, um den Verlust der T3-Eigenproduktion durch die verlorengegangene Schilddrüse zu kompensieren, und dass deshalb für diese Patienten eine physiologischere Therapieform gewählt werden sollte:


    Zitat

    More than 20% of these patients, despite normal TSH levels, do not maintain FT3 or FT4 values in the reference range, reflecting the inadequacy of peripheral deiodination to compensate for the absent T3 secretion. The long-term effects of chronic tissue exposure to abnormal T3/T4 ratio are unknown but a sensitive marker of target organ response to thyroid hormones (serum TSH) suggests that this condition causes an abnormal pituitary response. A more physiological treatment than levothyroxine monotherapy may be required in some hypothyroid patients.


    Gullo et al.: "Levothyroxine Monotherapy Cannot Guarantee Euthyroidism in All Athyreotic Patients", PLoS ONE 6(8): e22552, 2011.



    T4-Monotherapie ist lediglich eine kompensatorische Anpassung, aber stellt keine vollständige Euthyreose her. Außerdem gibt es Zweifel an der Aussagekraft des TSH-Werts unter T4-Monotherapie.
    1994 Patienten, die entweder unbehandelt waren oder mit T4-Monotherapie behandelt wurden, wurden untersucht. Es zeigte sich, dass die unbehandelten Patienten bei gleichem TSH-Wert signifikant verschiedene fT3- und fT4-Werte aufwiesen. Häufig waren hohe Dosierungen von T4 erforderlich, um den fT3 auf das Level von Gesunden zu heben.


    Die Korrelationskoeffizienten zwischen log(TSH) und fT4 unterschieden sich signifikant zwischen unbehandelten Probanden und T4-Monotherapierten. Das belegt, dass die Hypophyse unter T4-Monotherapie andere Mengen an TSH ausschüttet als im gesunden Zustand.


    Zitat

    Over a euthyroid to mildly hyperthyroid functional range, we found markedly different correlation slopes of log TSH vs FT(3) and FT(4) between untreated patients and l-T(4) groups. Total deiodinase activity (G(D)) was positively correlated with TSH in untreated subjects. However, G(D) was significantly altered and the correlation was lost under increasing l-T(4) doses. Ninety-five per cent confidence intervals for FT(3) and FT(4), when assessed in defined TSH concentration bands, differed significantly for l-T(4)-treated compared with untreated patients. Higher doses were often needed to restore FT(3) levels within its reference range.


    Die Autoren schlussfolgern, dass T4-Monotherapie lediglich eine kompensatorische Anpassung des Körpers darstellt, aber keine vollständige Euthyreose im Körper wiederherstellen kann. Das stellt den Nutzen dieser Therapieform als Ganzes in Frage!


    Zitat

    The data reveal disjoints between FT(4)-TSH feedback and T(3) production that persist even when sufficient T(4) apparently restores euthyroidism. T(4) treatment displays a compensatory adaptation but does not completely re-enact normal euthyroid physiology. This invites a study of the clinical consequences of this disparity.


    Hoermann et al.: "Is pituitary TSH an adequate measure of thyroid hormone-controlled homoeostasis during thyroxine treatment?", Eur J Endocrinol. 2013 Jan 17;168(2):271-80.



    Die T3-Resorption beträgt nahrungsunabhängig ca. 95% - Die T4-Resorption beträgt im nüchternen Zustand ca. 70% und ist nahrungsabhängig.
    Zwei Studien in der Kurzzusammenfassung: Mit Hilfe von radioaktiv markierten Schilddrüsenhormonen wurde die jeweilige Resorptionsrate berechnet, sowohl nüchtern, als auch bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Konzentrationen von menschlichem Serumalbumin, und in verschiedenen Trägerflüssigkeiten.


    Die T3-Resorption betrug nüchtern ca. 88-100%. Die Resorptionsrate veränderte sich nicht durch Nahrungsbestandteile wie Albumin.


    Die T4-Resorption betrug nüchtern ca. 60-80%. Die Resorptionsrate wurde signifikant verringert, wenn Lactose oder menschliches Serumalbumin hinzugegeben wurden.


    Die Autoren schlussfolgern, dass T4 durch Nahrung beeinträchtigt wird, T3 hingegen nicht:


    Zitat

    As might be expected from clinical observations, this study demonstrates that triiodothyronine is almost completely absorbed, in contrast to thyroxine. It also does not appear to be retarded by excess albumin, an observation which is in keeping with the current opinion that serum binding of triiodothyronine is much less important clinically than is binding of thyroxine.
    [...]
    Unlike T4, T3 is almost entirely absorbed from the intestine, with a mean absorption at 4 hr of 95.4%. Also, oral T3 was absorbed equally efficiently whether given with .01 or .81 g albumin.


    Hays et al.: "Absorption of Triiodothyronine in Man", J Clin Endocr 30: 675, 1970.
    Hays et al.: "Absorption of Oral Thyroxine in Man", J Clin Endocr 28:749, 1968.



    Ein genetischer Polymorphismus im Gen für die Dejodase Typ 2 bestimmt, ob jemand auf jeden Fall eine T3-Substitution benötigt.
    552 Probanden wurden genetisch sequenziert und entweder mit T4-Monotherapie, oder mit T3/T4-Kombitherapie behandelt. Es zeigte sich, dass ca. 16% der Probanden unter T3/T4-Kombinatonstherapie ein signifikant besseres Befinden aufwiesen als alle anderen Probanden der T3/T4-Kombitherapiegruppe.


    Ein Vergleich mit bekannten genetischen Polymorphismen der Dejodasen ergab, dass genau diese ca. 16% den Genotyp CC für den rs225014-Polymorphismus im Gen für die Dejodase Typ 2 trugen. Es wurde also ein direkter Zusammenhang zwischen Genetik und Effektivität einer T3/T4-Kombitherapie gezeigt. Interessanterweise beeinträchtigt dieser Polymorphismus nur das Befinden, aber nicht die Blutwerte!


    Zitat

    Our results require replication but suggest that commonly inherited variation in the DIO2 gene is associated both with impaired baseline psychological well-being on T4 and enhanced response to combination T4/T3 therapy, but did not affect serum thyroid hormone levels.


    Panicker et al.: "Common Variation in the DIO2 Gene Predicts Baseline Psychological Well-Being and Response to Combination Thyroxine Plus Triiodothyronine Therapy in Hypothyroid Patients", J Clin Endocrinol Metab 94: 1623-1629, 2009.


    Die menschliche Schilddrüse schüttet T3 und T4 in einem Stoffmengenverhältnis von ca. 1:14 aus.
    Eine mathematisch höchst anspruchsvolle Studie, die mit radioaktiv markierten Schilddrüsenhormonen gearbeitet hat, hat ein Modell der Schilddrüsenhormonausschüttung entwickelt, demzufolge Gesunde ca. 3,3 ± 1,9 µg * day-1 * m-2 T3 und ca. 56 ± 9 µg * day-1 * m-2 T4 produzieren. Somit liegt das Stoffmengenverhältnis, in dem eine gesunde Schilddrüse die beiden Hormone ausschüttet, bei ca. 1:14 (T3:T4).


    Im Gegensatz zu anderen Studien zum gleichen Thema handelt es sich hierbei um eine in vivo-Studie, welche die tatsächliche Ausschüttung des lebenden Menschen untersucht hat.


    Pilo et al.: "Thyroidal and peripheral production of 3,5,3'-triiodothyronine in humans by multicompartmental analysis", Am J Physiol. 1990 Apr;258(4 Pt 1):E715-26.



    TSH und fT3 haben einen Tagesrhythmus, während der fT4 im Tagesverlauf relativ konstant bleibt.
    Ohne viele Worte: TSH und fT3 schwanken im Tagesverlauf ganz erheblich, und zwar nicht zufällig, sondern im Sinne eines circadianen Rhythmus, wie diese Studie an 33 Gesunden zeigt.


    Ich empfehle, insbesondere die Grafik in Fig. 1 zu betrachten, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die drei Blutwerte (TSH, fT3, fT4) bei Gesunden aussehen!


    Zitat

    FT3 shows a circadian rhythm with a periodicity that lags behind TSH, suggesting that the periodic rhythm of FT3 is due to the proportion of T3 derived from the thyroid. Optimizing thyroid hormone replacement may need to take these rhythms into account.


    Russell et al.: "Free Triiodothyronine Has a Distinct Circadian Rhythm That Is Delayed but Parallels Thyrotropin Levels", Clin Endocrinol Metab 93: 2300 -2306, 2008.



    Der circadiane fT3-Rhythmus geht durch Hormonsubstitution verloren; Hormonsubstitution verursacht große Peaks in den freien SD-Werten.
    Nirgendwo erwähnt, praktisch nicht untersucht, aber klar anhand der Messdaten erkennbar: Gesunde haben einen fT3-Tagesrhythmus, Substituierende nicht. Ich weiß nicht, wieso sich kein Wissenschaftler damit beschäftigt, aber hier liegt eindeutig ein sehr merkwürdiger Knochen verbuddelt, denn dafür gibt es meineswissens bis dato keine Erklärung!


    Während Gesunde lt. Russell et al. (s.o.) einen circadianen Nachtanstieg im fT3 besitzen, fehlt dieser bei Einnahme von Schilddrüsenhormonen völlig. Und zwar sowohl bei T3/T4-Kombitherapie, als auch bei T4-Monotherapie, wie Fig. 4 dieser Studie zeigt.


    Diese Studie zeigt übrigens auch eindrucksvoll die großen Peaks im fT3 und fT4, die durch die Tabletteneinnahme verursacht werden.


    Saravanan et al.: "Psychological well-being on thyroid hormone replacement", University of Warwick, 2010. (Link zum Volltext)



    Die Resorption von L-Thyroxin wird durch verschiedene gastrointestinale Krankheiten (Lactoseintoleranz, Zöliakie, ...) verringert.
    Keine Studie, sondern ein Artikel, der diverse andere Studien zu diesem Themengebiet informativ zusammenfasst. Daher an dieser Stelle keine weitere Beschreibung. Sehr lesenswert!


    Zitat

    The main purpose of this paper is to review and systematise the available literature on the subject of the influence of different malabsorp-
    tion syndromes on the effectiveness of LT4 preparations.


    Ruchała et al.: "The influence of lactose intolerance and other gastro-intestinal tract disorders on L-thyroxine absorption", Endokrynol Pol 2012; 63 (4): 318323.



    Hashimoto-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Zöliakie.
    Ebenfalls ein Artikel, keine Studie. Ungefähr 2-5% aller Patienten mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung haben gleichzeitig Zöliakie, was häufiger ist als in der Normalbevölkerung. Es wird diskutiert, ob Hashimoto und Zöliakie eine gemeinsame genetische Prädisposition besitzen.


    Eine routinemäßige Untersuchung (Screening) aller Patienten mit Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen auf Zöliakie wird ausdrücklich empfohlen:


    Zitat

    Among autoimmune disorders, increased prevalence of CD has been found in patients with autoimmune thyroid disease, type 1 diabetes mellitus, autoimmune liver diseases and inflammatory bowel disease. Prevalence of CD was noted to be 1% to 19% in patients with type 1 diabetes mellitus, 2% to 5% in autoimmune thyroid disorders and 3% to 7% in primary biliary cirrhosis in prospective studies. Conversely, there is also an increased prevalence of immune based disorders among patients with CD.The pathogenesis of co-existent autoimmune thyroid disease and CD is not known, but these conditions share similar HLA haplotypes and are associated with the gene encoding cytotoxic T-lymphocyte-associated antigen-4.
    Screening high risk patients for CD, such as those with autoimmune diseases, is a reasonable strategy given the increased prevalence.


    Chng et al.: "Celiac Disease and Autoimmune Thyroid Disease", Clin Med Res. 2007 October; 5(3): 184-192.



    Zöliakietypische Autoantikörper binden an Schilddrüsengewebe: Zöliakie als möglicher Auslöser für Hashimoto?
    40 Patienten mit aktiver Zöliakie (d.h. ohne glutenfreie Diät), 46 Patienten mit Zöliakie (unter glutenfreier Diät), 40 Gesunde und 25 Patienten mit Morbus Crohn wurden in dieser Studie untersucht. TPO-AK und TG-AK wurden bestimmt, und das Serum dieser Patienten wurde in Kombination mit einem indirekten Immunfluoreszenzverfahren verwendet, um die Reaktion von Schilddrüsengewebe von Primaten auf das Serum der Patienten zu untersuchen.


    Ergebnis: Die im Serum von Zöliakiepatienten vorkommenden Transglutaminase-Antikörper binden an die Transglutaminase II im Schilddrüsengewebe. Außerdem korreliert die Höhe der Transglutaminase-Antikörper mit der Höhe der TPO-Antikörper der Patienten, und zusätzlich ist die Häufigkeit von TPO-Antikörpern bei Zöliakiepatienten signifikant höher gewesen als bei Gesunden:


    Zitat

    Thyroid antibodies were found in 43% of CD+ patients, significantly higher than NC and CROHN patients (p < 0.0001). In addition, a positive correlation was observed between anti-TGase II and TPO-AB titers (p = 0.0001; r = 0.63).
    [...]Anti-TGase II antibodies bind to TGase II in thyroid tissue, and titers correlate with TPO antibody titers. These findings suggest that anti-TGase II antibodies could contribute to the development of thyroid disease in celiac disease.


    Naiyer et al.: "Tissue transglutaminase antibodies in individuals with celiac disease bind to thyroid follicles and extracellular matrix and may contribute to thyroid dysfunction.", Thyroid. 2008 Nov;18(11):1171-8.



    Ich hoffe, euch einen kleinen Überblick gegeben zu haben.

  • Update: Start mit neuer Dosis!


    Heute (1. Oktober 2013) beginne ich mit meiner neuen Dosis. Ich habe in den vergangenen Tagen etwas mit dem Liotir experimentiert und geschaut, wie die Handhabung funktioniert. Es lassen sich damit wie gesagt schöne, gleich große Tropfen von ca. 0,7µg T3 erzeugen, auch einzelne Tropfen.


    Neue Wahl der Gesamthormonwirkung: 100µg T4
    Im Gegensatz zu dem, was ich vorher hier geschrieben habe, bin ich inzwischen davon überzeugt, dass eine Gesamthormonwirkung von 100µg T4 die beste Wahl ist. Die vorher von mir favorisierte Gesamthormonwirkung von 87,5µg T4 ist womöglich einfach zu niedrig, da nun die Temperaturen rapide sinken und ich intensiven Sport machen möchte.


    Im Sommer 2012 hatte ich (bei warmen Temperaturen, ohne Sport) unter 100µg T4-Monotherapie einen TSH von ca. 0,4 µU/mL. Deshalb vermute ich, dass ich nun bei kalten Temperaturen und mit intensivem Sport bei derselben Gesamthormonwirkung euthyreot bleiben werde. In wie fern die Resorption im Dünndarm nun wegen Gluten, Lactose, Fructose etc. verändert ist, kann ich nicht wissen und daher ist es logisch, das bei meiner Betrachtung erstmal schlicht und ergreifend zu ignorieren. Spätere Korrekturen nach dem Erhalt neuer Blutwerte sind immer möglich.


    Neue Kombitherapiedosis: 4,2µg T3 + 87,5µg T4
    Diese 100µg Gesamthormonwirkung werde ich auf 4,2µg T3 + 87,5µg T4 aufteilen. Das resorbierte molare T3:T4-Verhältnis dieser Dosis liegt bei ca. 1:14, enspricht also sehr gut dem natürlichen Verhältnis, das von der SD ausgeschüttet wird.


    Morgens werde ich mind. 30 min. Abstand zur Nahrung einhalten. Abends werde ich mind. 2 Std. Abstand zur Nahrung einhalten. "Morgens" bedeutet hierbei direkt nach dem Aufwachen, "abends" bedeutet direkt vor dem Einschlafen.


    Meine Medikamente und Uhrzeiten
    Verwenden werde ich L-Thyroxin Henning und Liotir.


    Mein neues Einnahmeschema sieht so aus:


    Liotir [Tropfen] LT Henning 75 [Tabletten] LT Henning 25 [Tabletten]
    ca. 7 Uhr
    (Aufwachen)
    2 1/2
    ca. 12 Uhr 1
    ca. 17 Uhr 1
    ca. 23 Uhr
    (Einschlafen)
    2 1/2 1/2



    Das entspricht folgender tageszeitlicher Verteilung der Dosis:


    T3 [µg] T4 [µg]
    ca. 7 Uhr
    (Aufwachen)
    1,4 37,5
    ca. 12 Uhr 0,7
    ca. 17 Uhr 0,7
    ca. 23 Uhr
    (Einschlafen)
    1,4 50


    Dosis für 8 Wochen halten, dann Blutentnahme
    Diese Dosis werde ich nun für 8 Wochen konstant halten (1. Oktober 2013 - 25. November 2013).


    Anschließend werde ich eine BE machen mit Bestimmung von TSH, fT3, fT4, rT3.


    Ihr bekommt, wie versprochen, wöchentliche Zusammenfassungen wie es mir geht! :ThumbsUp:


    Ausblick: Sport und Ernährung
    Im nächsten Teil meines Tagebuchs werde ich meinen Trainingsplan vorstellen. Weiter geht's dann mit meinem Ernährungsplan und der Frage, wie man an Muskelmasse zunehmen kann, obwohl man Hardgainer ist (d.h. alles essen kann, ohne zuzunehmen).


    Eventuell werde ich einige andere Hashimoto-Patienten, die nur schwer zunehmen, mit einbeziehen; das hängt von deren Engagement ab.

  • Arsa,


    ich bin sehr gespannt und freue mich jetzt schon, auf deine Berichte ( die ja immer bissl lang sind :-) ....


    viele Grüße ( aka Dani 27)

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